„Wer bin ich?“ Diese Frage zählt zu den zentralen Themen des Jugendalters. Die stets wachsende Komplexität der Gesellschaft erschwert die Positionierung junger Menschen innerhalb ihres sozialen Gefüges. Besonders  Jugendliche mit Migrationshintergrund leiden häufig an Orientierungsschwierigkeiten. Sie bewegen  sich in einem Spannungsfeld zwischen Wertvorstellungen und Rollenerwartungen der Herkunftskultur und denjenigen in Deutschland. Anders ausgedrückt bewegen sie sich zwischen Tradition und Zukunft. Zudem erschwert die aktuelle Brisanz um das Thema Migration oftmals die bereichernde Auseinandersetzung mit Vertrautem und Fremdem. Auf dieser Basis fällt es vielen Jugendlichen schwer ein kongruentes Selbstbild zu entwickeln, das wiederum Voraussetzung für eine positive Integration ist. Genau hier setzt das Projekt an:

 

Besonders jugendlichen Mädchen aus dem arabischen Kulturkreis fehlt oftmals ein geschützter Rahmen, sich über Fragen ihrer Zukunft auseinanderzusetzen und ihnen Ausdruck zu verleihen. In Kooperation mit dem Haus der Kunst wurde einer Kleingruppe von Mädchen mit Migrations- und Flüchtlingshintergrund ermöglicht, sich mit Themen ihrer bikulturellen Lebenswelt auseinanderzusetzen und diese filmisch zu realisieren. Über das Medium Film entstand eine Brücke zwischen der besonderen Lebenssituation der Mädchen und Kunst. Den inhaltlichen Rahmen für dieses medien- und kulturpädagogische Projekt lieferte die Islam-Ausstellung im Haus der Kunst unter dem Titel: „Die Zukunft der Tradition - die Tradition der Zukunft“. Anhand verschiedener Themenbausteine wurde bei den jugendlichen Migrantinnen ein Bewusstsein für Interkulturalität geschaffen. Zudem wurden sie in der künstlerischen Umsetzung ihrer eigenen Ideen über die Medien Foto und Film gefördert. Das Angebot orientiert sich an den Ressourcen der Teilnehmerinnen und will einen Beitrag zur Entfaltung eines positiven Selbstbildes leisten. Im kreativen Umgang mit Kamera und Filmschnitt steht neben dem Aufbau technischer Fertigkeiten ein persönlicher Bezug zum Medium Film und die Förderung von Medienkompetenz im Vordergrund.

 

Gleichzeitig leisten wir innerhalb dieses Rahmens Krisenintervention und Beratung in schwierigen Lebenssituationen. Der Ansatz des Projektes ist niederschwellig und soll daher vor allem von sozial benachteiligten Jugendlichen mit Migrations- oder Flüchtlingshintergrund genutzt werden, die aufgrund ihrer familiären und schulischen Situation dringend Unterstützung brauchen. Mit diesem Förderprojekt wollen wir bei den jugendlichen Migranten ein Bewusstsein schaffen für Kultur und Medien als Basis ihrer Integration und Erhöhung ihrer Chancen in Schule und Berufseinstieg.

 

Besonders wichtig sind die Vernetzung und konstruktive Zusammenarbeit mit den Bildungseinrichtungen, sowie die Kontaktaufnahme zu den Lehrkräften.

Das Projekt schafft durch die Förderung der kulturellen und sprachlichen Integration eine Verbesserung der Chancen auf einen guten Bildungsabschluss, Hilfe beim Start ins Berufsleben, Armutsprävention und die Stabilisierung der psychosozialen Situation. So bietet das Projekt den jungen Menschen eine Chance, durch außerschulische Förderung bei der Bewältigung der Anforderungen, die an sie gestellt werden, zu unterstützen und zu motivieren.